Erinnert
ihr euch noch an unseren Klassenlehrer Hans-Werner Loss?
Er
kam am 1. Juli 1962 an unsere Mittelschule und wurde sogleich
unser neuer Klassenlehrer, der er bis zum Ende des Schuljahres
1963/64 blieb.
Hans-Werner
Loss stammte aus Hamburg. Während des Krieges ging er
mit seinen Eltern nach Hechthausen. Nach seinem Abitur am
Athenaeum in Stade studierte er Deutsch und Religion und war
ab 1955 Lehrer an der Realschule in Duisburg-Beeck.
Seine
Leidenschaft waren Bücher - und wir.
Ja, tatsächlich wir. Denn sein merkbares Bestreben wir,
uns bestens zu unterrichten und auszubilden.
Hier ein bildlicher Eindruck an unsere Schulstunden bei Hans-Werner
Loss.
Schule
und Schüler lagen Hans-Werner Loss am Herzen.
Dieser
Zeitungsartikel im Buxtehude am 12. April 2000 sagt alles
über ihn:

Hier
der obige Text besser lesbar:
Schon Zeit seines Lebens hatte sich Hans-Werner Loss
außergewöhnlich stark für die Buxtehuder Realschule Nord
engagiert, pflegte die Lehrerbücherei und organisierte
plattdeutsche Lesewettbewerbe.
Nach seinem Tod vermachte der ehemalige Lehrer seiner
einstigen Wirkungsstätte eine großzügige Spende. 196 000
Mark hinterließ der 66-jährige Hamburger als Stiftung,
die jetzt ins Leben gerufen wurde.
Schulleiter Joachim Lübbecke erinnert sich noch gut an
den pflichtbewußten Kollegen Hans-Werner Loss, der 1961
seinen Dienst an der Realschule Nord (damals noch Mittelschule)
antrat und wegen einer Herzerkrankung im August 1993 frühzeitig
in den Ruhestand ging. So arbeitete Loss auch noch nach
seiner Pensionierung einmal pro Woche in der Lehrerbücherei
und meldete sich sogar dienstbeflissen bei Lübbecke ab,
wenn er verhindert war.
Die Bücher waren Loss` große Leidenschaft, er liebte Kurzgeschichten
der Nachkriegszeit und verehrte den Schriftsteller Siegfried
Lenz. Überhaupt saß er häufig hinter Bücherbergen in der
Bibliothek, lief mit Bücherstapeln durch die Schule oder
organisierte Schüler-Lesewettbewerbe, um sein zweites
großes Steckenpferd, die plattdeutsche Sprache, lebendig
zu erhalten.
Aber auch der Zusammenhalt im Kollegium war dem Hamburger
wichtig:
So lud er in jedem Jahr vor den Weihnachtsferien zum obligatorischen
Mahl - Würstchen und Kartoffelsalat - ein.
Loss wollte seine Stiftung zunächst auch unter dem Namen
"Weihnachtsmahl" institutionalisieren - sehr zum Erstaunen
der Finanzbeamten. Die hatten ohnehin zu kämpfen, als
sie nach dem Tode von Loss im Dezember 1997, dessen letzten
Willen umzusetzen hatten. Denn Loss wollte einen großen
Teil seines Vermögens zwei Blindenvereinen stiften, ein
Teil des Erbes ging an seine Putzfrau, besagte 27 Prozent
an die Realschule Nord in Buxtehude und der Rest an fernere
Verwandte.
Nach drei Jahren behördlicher Kleinstarbeit ist nun jedoch
alles geregelt und so konnte die Stiftung, die von der
Stadt treuhänderisch verwaltet wird, eingerichtet werden.
Sie soll zur Förderung von außerschulischen Aktivitäten
eingesetzt werden, für Schüler-Lese- und Fotowettbewerbe,
zur Unterstützung von Klassenfahrten oder Auszeichnungen
von Schülerengagement. Bleibt nur jener tragische Umstand
zu bedenken, der die Schule zur Nutznießerin einer solch
großzügigen Spende machte, fügte Schulleiter Lübbecke
nachdenklich an. Denn gewiss war Hans-Werner Loss eine
außergewöhnliche Persönlichkeit - aber offenbar auch
eine einsame. Der 66-Jährige, der jahrelang seinen Vater
und seine Mutter bis zum Tode gepflegt hatte, starb in
seiner bescheidenen Hamburger Wohnung alleine - inmitten
von riesigen Bücherbergen. |
Klar
- er hatte auch seine Marotten: kleine, stinkende Zigarillos
(aber selbstverständlich nicht im Unterricht!); Einträge
ins Klassenbuch bei unbotmäßigem Verhalten wurden
immer eingeleitet mit "Ilse, schreib ihn auf...!".
Am
1. April 1964 wechselte er an die Mittelschule nach Buxtehude:
er wollte gern etwas näher am Wohnort seiner recht betagten
Eltern sein

Unser
Klassenlehrer Hans-Werner Loss beim Klassentreffen 1985.
Wir
haben ihn ein vorletztes Mal unter uns am "Abschluß-Silberjubiläum"
beim Klassentreffen 1990 in guter Laune und herzlicher Zuwendung
bei uns gehabt. 1995 war er dann das letzte Mal bei uns.
Hans-Werner Loss ist im Dezember 1997 in Hamburg gestorben.